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Geschichte 1941-2000
1941
Die
Firma Bayer bringt den Clinitest® auf den Markt. Tabletten, auf die
man mit einer Pipette etwas Urin träufelt und so den ungefähren
Urinzucker messen kann.
1942
Bei Forschungen um eine antimikrobielle Substanz wird von Hans Franke
und Joachim Fuchs zufällig die Blutzuckersenkende Wirkung der
Sulfonylharnstoffe erkannt.
Sulfonylharnstoffe der ersten Generation waren Carbutamid, Tolbutamid
(Rastinon®) und Chlorpropamid.
Sulfonylharnstoffe der zweiten Generation kamen in den 70er Jahren
auf den Markt und sind/waren Glibenclamid (Euglucon®), Gliclazid
(Diamicron®) und andere.
Heute wird hauptsächlich ein Sulfonylharnstoff der dritten Generation
eingesetzt, das Glimepiride (Amaryl®)
1951
Hoechst führt das Komb-Insulin ein, daß
zu einem Drittel aus Normalinsulin und zu zwei Dritteln aus Depot-Insulin
besteht.
1955
Dem
Biochemiker Frederick Sanger (1918-heute) gelingt es, die chemische Struktur
des Insulins zu entschlüsseln, wofür man ihm 1958 den Nobelpreis
für Chemie zuerkennt. Aufgrund seiner Forschungsarbeit wird es möglich,
Insulin auch künstlich herzustellen.
1965
Dextrosit, der erste Teststreifen zur Blutzuckerselbstbestimmung
steht vor seiner Markteinführung und löst unter Diabetologen
weltweit recht kontroverse Diskussionen darüber aus, ob der Diabetiker
wirklich seinen BZ selber testen soll.
1967
Waren Insuline bisher ein Gemisch aus Rinder-
und Schweineinsulin, so werden sie jetzt auf Monospezies-Insuline
(also reines Schweine- und reines Rinderinsulin) umgestellt. Jüngste
Forschungen haben nämlich ergeben, daß Schweineinsulin
sich nur in einer Aminosäure vom Humaninsulin unterscheidet und
besser verträglich ist als Rinderinsulin, das sich in drei Aminosäuren
unterscheidet.
Die daraus folgende Therapieempfehlung ist, daß frisch entdeckte
Diabetiker zunächst auf Rinderinsulin eingestellt werden und
beim Auftreten von Allergien und Resistenzen zum Schweineinsulin übergegangen
wird.
Desweiteren konnte man in diesem Jahr die Reinigung der Präparate
von Fremdeiweißen aus dem Verdauungssaft verbessern. Die Zahl
der Resistenzen und Allergien sank daraufhin rapide.
1976
Rainer Obermeier und Rolf Geiger von der Firma
Hoechst entwickeln eine Methode zur Semisynthese von Humaninsulin
aus Schweineinsulin. Das heißt sie können die falsche Aminosäure
abtrennen und gegen die ersetzen, die an dieser Stelle beim Humaninsulin
vorkommt. (Die endständige AS Alanin an B30 wird dabei gegen
Threonin ausgetauscht)
1979
David Goeddel und seine Forschergruppe entwickeln
ein Verfahren zur gentechnischen Vollsynthese von Humaninsulin aus
Escherichia-Coli Bakterien. Die werden quasi so "umprogrammiert",
daß sie Humaninsulin produzieren, das anschließend in
einem komplizierten Verfahren aufbereitet wird.
Dadurch wird die Insulinproduktion unabhängig von tierischen
Bauchspeicheldrüsen. Dieser Schritt erscheint mehr als sinnvoll,
den Studien sagen voraus, daß bis zum Jahr 2000 der weltweite
Insulinbedarf auf dem bisherigen Weg nicht mehr zu decken sein wird.
1980
Die ersten
Insulinpumpen,
anfangs noch einfache Geräte, die bisher zur Schmerztherapie
eingesetzt wurden kommen auf den Markt. Der "Mill-Hill Infusor"
oder die "Auto Syringe 6C" haben nur eine feste Förderrate
und den Bolus muß man von Hand durch drehen an einer Schraube
abrufen. Die erste "richtige" Insulinpumpe wurde dann in
Deutschland vorgestellt: die Siemens Promedos E1 (Bin ich der
einzige, der da an Prometheus denken muß?)
1983
Einführung des Humaninsulins. Ist es in der
Verträglichkeit den beiden anderen Insulinen (CR= Rinderinsulin,
CS=Schweineinsulin, HM=Humaninsulin) auch deutlich überlegen,
so ergeben sich doch Schwierigkeiten bei denen, die von Tierinsulin
umsteigen wollen. Viele davon bemerken ihre Hypoglykämien nicht
mehr rechtzeitig.
1985
Einführung des Insulinpens
(Auf dieser Seite ist unten einer der ersten und schönsten Pens
zu sehen.
Der Novo-Pen 1 hatte zwar keine Dosisvorwahl, war aber der eleganteste
Pen, den es je gegeben hat)
1996
Eine neue Klasse von "Kunstinsulinen"
kommt erstmals auf den Markt, die sogenannten Analoga. Der Name bedeutet,
daß dieser Stoff analog zum herkömmlichen Insulin wirkt.
Den Anfang macht das kurz- und schnell wirkende Insulin
Lispro (Humalog®).
2000
Nach den kurzwirkenden Analoga Humalog und NovoRapid
gibt es nun auch ein langwirkendes Analogon: Das Insulin
Glargin (Lantus®).
Auch auf dem Sektor der oralen Therapie tut sich einiges: die Gruppe
der Glinide
Repaglinide = Novonorm®) wird um die
Nateglinide (Starlix®) ergänzt.
Die Thiazolidindione (Glitazone), bereits 1997 entwickelt aber durch
das Präparat "Troglitazone" schwer unter Beschuß
geraten (es kam zu fatalen, tödlich verlaufenden Zwischenfällen
mit der Lebertoxizität) erleben einen neuen Aufschwung durch
die Präparate
Rosiglitazon (Avandia®) und
Pioglitazon (Actos®)
Damit stehen jetzt Präparate zur Therapie des Diabetes mellitus
Typ 2 zur Verfügung, die direkt an den Ursachen ansetzen, indem
sie die Insulinresistenz vermindern.
Ich hoffe dieser kurze Exkurs in die Welt der diabetologischen Forschung
hat ihnen beim Lesen ebensoviel Freude gemacht wie mir beim Schreiben!
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